Ein Landkreis mit Vitalreserven

Der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald präsentiert sich in dem Band „Weggefährten“ von seinen positiven Seiten. Das Cover lässt allerdings nicht auf eine landschaftlich reizvolle Region schliessen: ein weisser Landkreis auf weissem Grund und ein buntes Logo dazu. Etwas nüchtern wirkt das, aber auch klar in der Struktur.

Auf den Inhalt kommt es letztlich an. Beim Durchblättern fehlt es nicht an beeindruckenden Landschaftsaufnahmen, wie sie etwa der Feldberg mit Blick auf die Alpen ermöglicht. Diese Aufnahmen sind stets ohne Windindustrieanalgen, die auch im Landkreis immer wieder für Diskussionen sorgen.

Das Vorwort der Landrätin setzt bei Spitzenwerten an, die der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in Deutschland für sich reklamieren kann. Das gilt vor allem bei der Lebenserwartung, diese ist zumindest bei den Frauen einsame Spitze. Der Rotwein könnte daran seinen Anteil haben, der bekanntlich in Maßen genossen gesund sein soll und in der Region reichlich angebaut wird. Die „Badische Weinstraße“ ist entsprechend lang. „Weggefährten“, Menschen die mit jener „Straße“ verbunden sind, erzählen von ihrer Beziehung zum Breisgau; auch bekannte Namen sind darunter, etwa der kürzlich verstorbene Zeichner und Karikaturist Tomi Ungerer. Die „Grüne Straße“ vom Elsass bis nach Löffingen darf nicht fehlen, ebenso wenig die „Deutsche Uhrenstraße“ und die besonders fotogene „Schwarzwald-Panoramastraße“.

Aus der Reihe der „Weggefährten“ kann die Sopranistin Monika Eder-Waubert de Puiseau mit ihrem Beitrag „Quell-Gedanken zwischen Karpfen und Ohm“ herausgegriffen werden, die den „Weg nach innen“ in St. Märgen suchte, fündig wurde und sich dort niederließ. Es ist eine Beziehung zur Landschaft, die die Sopranistin beschreibt, wie sie dem Dirigenten und Naturschützer Enoch zu Guttenberg gefallen hätte. Während in der Barockkriche des benachbarten St. Peter in einer etwas düsteren Atmosphäre ein Krichenmusiker den Raum mit „Leben und Seele“ füllt, ist St. Märgen anders: „Von weitem ziehen die beiden gelben Kirchtürme den Blick auf sich. Der Ort hat eine gute Ausstrahlung“. „Wasser“ und „Quellen“, das mache den Ort St. Märgen aus. Die Sopranistin sucht die „Kraft dahinter“ und präsentiert geradezu tiefenökologische Ausführungen. Musiker sind für das Atmosphärische sensibel und empfänglich, so auch in diesem Fall. Den Perfektionsdruck, die Oberflächlichkeit moderner Medien, also all das, was Martin Heidegger schon auf dem Schwarzwälder Feldweg mit Gedenkenlosigkeit und Zerstreuung verband, wird hier durch Lebendiges überboten. Händel wird bemüht, um die zu tragende Würde gegenüber der Technisierung zu behaupten. Aus den Verschleierungen der Schnelllebigkeit auszubrechen und auf den Grund, die Quelle zu gehen, in sich hineinzuhorchen, in sich zu ruhen im Ganzen der „Mutter Erde“, darum geht es hier. Nur was in sich ruht, seine Quellen nicht verliert, wird auch dieser Welt gut tun, so die Philosophie dahinter. Diese Ausführungen sind eine wunderbare Liebeserklärung an den Schwarzwald, an „Orte, die uns wieder an unsere natürlichen Kräfte anbinden und gleichzeitig den Blick erhellen und unseren Geist klären.“

Es geht hier um eine Region, in der sich Vitalreserven im Menschen entfalten können. Auch das ist gesund, in Kombination mit dem Rotwein die beste Voraussetzung alt zu werden. Dass die Wirtschaft blüht, hält der Band ebenfalls mit Firmenportraits fest und wird bei anderen Weggefährten deutlich. Die Deutsche Nationalbibliothek listet den Band dann auch in der Rubrik Wirtschaft, auch das muss einen Grund haben.

Weggefährten: Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. neomediaVerlag (Hg.) in Zusammenarbeit mit Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald. Coesfeld: neomediaVerlag, 2018, 220 Seiten, 28,90 Euro.       

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