Streß für die Waldökologie

Das Jahr 2017 ging als das Jahr mit den größten Frostschäden für die Winzer und Obstbauern in Baden-Württemberg seit 26 Jahren ein. Das Problem waren nicht nur die zwei Minusgrade im April, sondern der Temperatursturz von 25 Grad Celsius aus. Auch die Forstwirtschaft wird erhebliche Einbußen hinnehmen müssen. Das Holzwachstum liegt für 2017 um 50 Prozent unter dem Schnitt, wie das Institut für Forstwissenschaften der Universtität Freiburg an ausgewählte Bestände an Buchen und Fichten seit 1989 im Hochschwarzwald und seit 1997 in Freiburg-Günterstal am Stammumfang jeweils ermittelt haben will. Die Austriebe hatten sich bis Mai verzögert, die Kraftreserven der Bäume gehen aber nach Auskunft von Waldökologen im März zurück. Der warme  Januar könnte auch noch zum Problem werden.

Extreme Temperaturschwankungen sind aber nicht das einzige Problem für Baumbestände. In der Vergangenheit waren es meist Trockenperioden, die die Bäume streßten. In Streßzeiten fallen die Jahresringe der Bäume schmaler aus als sonst. So auch bei einem Baum, der zwei Weltkriege, die extreme Trockenheit und Hitze in 2003 überstand, den aber der Sturm von Anfang Januar umstürzen ließ. Die Wachstumsverläufe, die außerhalb der Norm liegen, die würden sich häufen, erklärt Hans-Peter Kahle, Professor für Waldökologie in Freiburg gegenüber der regionalen Wochenzeitung „Der Sonntag“ vom 14. Januar.

Mittlerweile plagt die Waldökologen aber ganz andere Sorgen. Die Trockenstreßtoleranz, die eines der Kernprobleme für die Wälder darstellt, wollen Freiburger Waldökologen 2018 erforschen. Doch ein 2016 gestellter Projektantrag liege erst einmal auf Eis. Die  Koalitionsverhandlungen ziehen sich hin, das nötige Geld harre damit einer Freigabe, erklärt Kahle gegenüber der Presse. Vielleicht sollte einmal bei Gender-Studies gekürzt und bei den wirklich wichtigen Dingen wie Waldwachstum im Wandel oder Insektenpopulationen in Abhängigkeit zu Wetterbedingungen erforscht werden.

(Volker Kempf)

(Erstveröffentlich in Junge Freiheit, 25.1.2018)

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