Die mittlere Generation macht die AfD stark

Freiburg hat gewählt.

Eine erste soziologische Analyse zum Ausgang der Bundestagswahl in Freiburg wird in der  Badischen Zeitung vom 30. September präsentiert. Wenig überraschend ist die Aussage der Überschrift: „Freiburg verortet sich links“. Nur die AfD nicht. So könnte man präzisieren. Selbst die CDU positioniert sich an der Mittellinie, nur die AfD-Wähler etwas rechts davon bei 6,5 auf einer Skala von 1 bis 10.

Bei den Altersgruppen ist der Zuspruch für die AfD höchst unterschiedlich. Nur 4 Prozent der AfD-Stimmen kommen aus der Altersschicht 18 bis 24 Jahre, die im bundesweiten Vergleich in Freiburg besonders stark vertreten ist. Die Jugend gilt generell als idealistisch, so auch der Eindruck im Wahlkampf. Der Realismus ist dagegebn bei der mittleren Generation stärker ausgeprägt. In der Altersgruppe 25 bis 34 Jahre sind es immerhin schon 11 Prozent Anteil am AfD-Stimmenpool, 35 bis 44 Jahre 16 Prozent. Spitzenreiter ist die Generation von 45 bis 59 Jahre mit 34 Prozent. Die ältere Generation 60 bis 69 Jahre weist 21 Prozent aus bzw. 70 Jahre und älter 13 Prozent.

Die Leistungsträger sind es, die die AfD besonders stark gewählt haben; zu 67 Prozent kommen die AfD-Stimmen aus der Gruppe „Ganztags berufstätig“. Das ist ein Spitzenwert unter allen Parteien. Noch mehr arbeiten, damit der Staat noch mehr umverteilen kann, das kommt hier nicht gut an. Der Akademkeranteil bei den AfD-Wählern ist im Vergeleich zur Landtagswahl dagegen gesunken. Darunter dürften auch Lehrer und Beamte fallen.

Thematisch spielten für AfD-Wähler die Themen Migration, Terror und innere Sicherheit  die größte Rolle. Die CDU-Wähler interessierten sich für ähnliche Themen, aber auch für Fragen der Europäischen Union und ihrer Krisen. Bei den Parteien Die Grünen, SPD und Linke sind Fragen der sozialen Gerechtigkeit bzw. des sozialen Gefälles weit vorne.

Ebenfalls aufschlussreich: Zur Hälfte verstehen sich AfD-Wähler als Stammwähler, zur anderen Hälfte als Wechselwähler – fast deckungsgleiche Werte wie bei der Parei Die Linken. Nur die FDP weist mehr Wechselwähler auf (64 Prozent). Die Grünen haben am wenigsten Wechselwähler (19 Prozent) und sind allein damit für die AfD besonders schwer abzuholen.

Der Frauenanteil ist bei den AfD-Wählern mit einem Drittel eher gering. Der Themenschwerpunkt Familie könnte bei der AfD sicher noch stärker zum Zuge kommen, um das zu ändern.

Auf eine soziologische Aussage verdichtet ergibt sich das Bild, die Feiburger wählen besonders häufig links, sind damit vor allem daran interessiert, aus dem System für sich etwas herauszuholen, aber nur wenig daran, als Leistungsträger etwas einzubringen. Die einen vermitteln den Sinn zur Weltrettung, die anderen tun die Arbeit. Hier verläuft die Konfliktlinie.

Diese Konfliktlinie wird auch eine anvisierte Altparteienkoalition berühren, vor allem Grüne und CSU liegen hier auseinander, aber auch die FDP dürfte hier ihre Unterschiede zu den Grünen haben, so sehr sie sich bisher annäherten, etwa bei Fragen der „Ehe für alle“.

Das wäre auch eine spannende Frage, was die Wähler für eine Altparteien-Regierungskoalition von welcher Dauer erwarten.

( http://www.badische-zeitung.de/freiburg/nur-ein-drittel-der-afd-waehler-sind-frauen–142658886.html )

(KE)

 

 

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